KI bei Online-Suchen, KI im Kühlschrank, und jetzt das: Spanien will KI in Casinos einführen. Entsprechende Tools sollen Spielaktivitäten verarbeiten und auswerten. Ziel ist es, Spieler online stärker als bisher zu schützen. Tatsächlich ist KI geschickt bei der Mustererkennung. Richtig eingesetzt könnte KI helfen, risikoreiches Spielverhalten frühzeitig zu erkennen. Bildet Spanien beim Thema KI die Sperrspitze? Wie weit sind Österreich und Deutschland, was Software-Lösungen zum Spielerschutz anbelangt?
Spanien will Spielverhalten mit KI überprüfen
Im September hatte die Dirección General de Ordenación del Juego (DGOJ) – genauer gesagt die spanische Glücksspielaufsicht – bekanntgegeben, KI einsetzen zu wollen. Auf Wett- und Spieleseiten soll die KI mehr als 60 Risikofaktoren auswerten. Dazu gehören Merkmale wie die Spieldauer, auffällige Muster bei Ein- und Auszahlungen oder Reaktionen nach Gewinnen sowie Verlusten. Stellt der Algorithmus ein verdächtiges Spielverhalten fest, wird der Betreiber ins Bild gesetzt. Dieser soll Kontakt mit dem Spieler aufnehmen und, falls dies geboten ist, eine Fremdsperre vornehmen.
Wann genau das KI-Tool zum Einsatz kommt, ist nicht bekannt. Das Instrument soll auf XGBoost basieren, einem der bekanntesten Algorithmen für maschinelles Lernen. Zwei Jahre lang soll am Tool gefeilt werden. Bis spanische Online Casinos vom Werkzeug Gebrauch machen, wird noch etwas Zeit ins Land ziehen.
Fernab von KI: Wie Casinos Spieler schützen
Bereits ohne künstliche Intelligenz können Casinos Risiken abwehren. Online Casinos mit schneller Auszahlung nutzen indirekt dem Spielerschutz. Lassen sich Gewinne schnell abheben, wird der Auszahlungsantrag eher beibehalten. In langsamen Casinos fühlen sich User mitunter verleitet, die Auszahlung rückgängig zu machen. Sofort ist das Guthaben für weitere Einsätze verfügbar, und der Gewinn könnte sich verflüchtigen.
Persönliche Limits auf Transaktionen, Verluste, Einsätze und Spieldauer haben eine schützende Wirkung. Idealerweise sollten Limits übers Profil einstellbar sein. In einigen Casinos werden die Limits nur über den Kundendienst aktiviert. Wieder andere Spielstätten verzichten auf Limits.
Boni verdoppeln oft die Einzahlung – und damit Spielzeit und Gewinnchancen. Für jeden Bonus gelten Umsatzbedingungen, die mal mehr, mal weniger fair ausgestaltet sind. In manchen Online Casinos ist neben dem Bonus die Einzahlung umzusetzen. Oder der Bonus verfällt nach wenigen Tagen. Oder Gewinnlimits beschränken die Auszahlung. Je transparenter ein Casino die Bedingungen aufschlüsselt, desto besser.
Jedes ordentlich lizenzierte Casino hat KYC-Anforderungen. Vor einer Auszahlung sind Adresse und Name mit Dokumenten zu belegen. Wünschenswert ist ein schneller KYC-Prozess, um Jugendliche und bereits gesperrte Spieler ausfindig zu machen.
In Österreich herrscht Nachholbedarf
Bekanntermaßen hat Österreich ein Glücksspielmonopol. Wöchentliche Einzahllimits und ein Zeitlimit pro Tag sind beim einzigen konzessionierten Anbieter verpflichtend zu setzen. Überdies hat man MENTOR geschaffen: Dieses Tool ermöglicht den Vergleich mit anderen Usern und hilft bei der Selbsteinschätzung.
Was allerdings fehlt, sind handfeste Konsequenzen. MENTOR unterbreitet allenfalls Tipps. Auch bei alarmierenden Spielgewohnheiten muss das Casino keine Fremdsperre durchführen. Wer will, kann die Hinweise ignorieren, womit MENTOR seine Wirkung zumindest teilweise verfehlt.
Deutschland evaluiert Software-Lösungen
Deutschland fremdelt ebenfalls mit künstlicher Intelligenz. Im Tätigkeitsbericht 2024 hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) lediglich erlaubte Anbieter beobachtet, um Erkenntnisse für Software-Lösungen zu gewinnen. Im gesamten Bericht werden KI, künstliche Intelligenz oder Algorithmen mit keiner Silbe erwähnt. Dabei fordert § 6i Absatz 1 GlüStV 2021 unmissverständlich ein „auf Algorithmen basierendes automatisiertes System zur Früherkennung“. Wie dies praktisch funktionieren soll, bleibt bisher den Anbietern überlassen.
Maßnahmen wie der Realitäts-Check, der Gewinne und Verluste der letzten 30 Tage nach dem Anmelden gegenüberstellt, veranschaulichen in Deutschland das Spielverhalten. Einige Anbieter haben Tools etabliert, um Spielaktivitäten verschiedener User zu vergleichen. Spielotheken sind aufgefordert, jedem Verdacht nachzugehen und Fremdsperren auszusprechen. An KI führt langfristig kein Weg vorbei. Ohne den Einsatz von Algorithmen scheint es unmöglich, alle Risikofaktoren im Blick zu behalten.
KI ist der Meister der Mustererkennung
Vor wenigen Tagen hat die Europäische Rundfunkunion (EBU) eine Studie veröffentlicht. Danach sollen Chatbots wie ChatGPT 40 Prozent ihrer Antworten erfinden, Lügen erzählen. Hier tritt aber ein Missverständnis zutage: Algorithmen können nicht denken. Sie erkennen Muster, weitaus schneller als Menschen. Doch eine KI weiß nicht, was sie weiß. Und sie weiß auch nicht, was sie nicht weiß. Alle Antworten beruhen auf Wahrscheinlichkeiten, die stimmen können. Oder eben nicht.
Während Large Language Models als Informationsquelle untauglich sind, ist KI in anderen Bereichen überaus nützlich. Was Spanien mit seinem KI-Tool ausprobiert, ist ein gutes Beispiel. Allerdings sollte die KI nie eigenständig Entscheidungen treffen. Menschen müssen die Resultate selbst beurteilen, um mögliche False-Positives zu entlarven.
Wird der Mensch ausgeklammert, führt dies zu Problemen. Microsoft hatte mit Bing Rewards im Jahre 2010 ein Treueprogramm geschaffen, das Internetnutzer ermuntern sollte, Bing als Suchmaschine zu verwenden. Mittels KI werden seit einiger Zeit User gesperrt, die Bing nutzen, um schnell viele Treuepunkte zu sammeln. Rasch kamen Beschwerden auf, die KI würde User zu Unrecht sperren. Warum Sperren zustande kommen, ist unklar. Hier sorgt Microsoft für reichlich Unmut und vertraut der KI entweder zu stark – oder will auf diese Weise neue Trainingsdaten sammeln.
Fazit: Spieler müssen bestmöglich geschützt sein
Spielerschutz ist in Online Casinos unumgänglich. Jedes gescheite Casino hat ein Interesse daran, bei Spielsucht Hilfe zu leisten und Wege aufzuzeigen. In den nächsten Jahren wird KI in den unterschiedlichsten Lebensbereichen Einzug halten. Auch Casino-Seiten können von der Technologie profitieren. Österreich und andere Länder täten gut daran, Spanien zu folgen und so schnell wie möglich eigene KI-Tools aufzubauen.