Im Süden Vorarlbergs erstreckt sich ein Tal, das Bergsport und Erholung auf engem Raum zusammenbringt: das Montafon. Elf Gemeinden reihen sich auf rund 39 Kilometern aneinander, von Schruns über Bartholomäberg bis Gaschurn. Am südlichen Ende markiert die Silvretta-Hochalpenstraße den Übergang ins Hochgebirge. Drumherum türmen sich Dreitausender – der Piz Buin, mit 3.312 Metern höchster Gipfel Vorarlbergs, thront über allem. Dass das Montafon auffällig viele Wiederholungsbesucher anzieht, überrascht bei genauerem Hinsehen kaum.
Zwischen Silvretta und Rätikon: So tickt das Montafon
Die Ill durchfließt das gesamte Tal. Rechts und links erheben sich die Gebirgszüge der Silvretta, des Verwall und des Rätikon – eine Kulisse, die selbst an trüben Tagen beeindruckt. Auffällig ist, wie gut die Dörfer ihren ländlichen Charakter bewahrt haben. Alte Holzhäuser stehen neben historischen Kapellen, dazwischen satte Almwiesen. An vielen Ecken scheint die Zeit ein wenig langsamer gelaufen zu sein als anderswo.
Trotzdem stimmt die touristische Infrastruktur. Ob kleine Ferienwohnung in einem ruhigen Seitental oder größeres Haus mit Sportangebot und Wellnessbereich – die Bandbreite an Unterkünften deckt verschiedene Ansprüche ab. Aktivurlauber, die nach einer langen Tagestour noch Sauna und Pool einplanen, finden etwa im Hotel Silvretta im Montafon eine passende Adresse direkt im Talbereich.
Was im Sommer und Winter möglich ist
Das Freizeitangebot hat sich in den letzten Jahren deutlich verbreitert, ohne dass der alpine Charakter darunter gelitten hätte. Im Sommer dominieren Wanderschuhe und Mountainbikes, im Winter Ski und Schneeschuhe. Langweilig wird es in keiner Jahreszeit.
Sommer: Wandern, Biken, Klettern
Über 1.000 Kilometer markierte Wanderwege schlängeln sich durch Hochlagen und Talböden. Gaschurn-Partenen, Schruns-Tschagguns und Gargellen tragen das Zertifikat österreichischer Wanderdörfer – ein Qualitätsmerkmal, das für gute Beschilderung und durchdachte Routenführung steht. Mountainbiker steuern den Bikepark Golm an, der mit Jump Lines und Flow-Trails aufwartet. Im Fels locken zudem Klettersteige verschiedener Schwierigkeitsgrade, vom Einsteigerparcours bis zur anspruchsvollen Gratüberschreitung.
Besonders lohnend: der Montafoner Hüttenrundweg. Er verteilt sich auf 13 Etappen quer durchs Tal und verbindet Schutzhütten miteinander. Mehrtägige Touren dieser Art verlangen die richtige Ausrüstung – hilfreiche Hinweise dazu liefert unsere Wanderpackliste für Österreich.
Winter: Pisten, Loipen, stille Pfade
Das Skigebiet Silvretta Montafon gehört mit rund 90 Pistenkilometern zu den größten zusammenhängenden in Österreich. Neben klassischen Abfahrten bietet die Region:
- Freeride-Hänge abseits der präparierten Pisten
- Langlaufloipen im Talbereich für verschiedene Könnerstufen
- Schneeschuhrouten oberhalb der Baumgrenze
- Eigene Übungshänge und geführte Winterwanderungen für Familien
Schneeschuhwanderungen in den höheren Lagen liefern ein ruhiges Kontrastprogramm zum Pistenrummel. Weitläufig, beinahe meditativ – so etwas findet man in den bekannteren Skigebieten der Alpen eher selten.
Käsespätzle, Sura Kees und gelebte Tradition
Die Küche im Montafon orientiert sich an dem, was die Region hergibt. Vorarlberger Bergkäse findet sich auf fast jeder Speisekarte, dazu Käsespätzle als Klassiker der Alpenküche. Eine Besonderheit ist der Montafoner Sura Kees, ein Magerkäse mit geschützter geografischer Angabe. Er reift nach alter Methode in kühlen Kellern und gehört zu den wenigen Alpenkäsesorten, deren Herstellung in dieser Gegend so lange dokumentiert ist.
Im Herbst wird es besonders lebendig. Bauern treiben ihre Herden von den Hochalmen zurück ins Tal, begleitet von Volksmusik, blumengeschmückten Tieren und kleinen Festen in den Dörfern. Das hat nichts mit inszenierter Folklore zu tun – den Unterschied merkt man vor Ort ziemlich schnell. Da reicht ein Blick auf die Gesichter der Einheimischen, die den Alpabtrieb genauso feiern wie schon ihre Großeltern.
Anreise: Bahn statt Stau
Vorarlberg verzeichnete im Tourismusjahr 2024 rund 2,7 Millionen Gästeankünfte und 9,4 Millionen Übernachtungen. Das Montafon zählt dabei zu den gefragtesten Zielen im Bundesland. Die Anreise funktioniert bequem: Ab Bludenz fährt die Montafonerbahn direkt ins Tal, und Übernachtungsgäste nutzen das gesamte öffentliche Verkehrsnetz Vorarlbergs kostenfrei. Ein Ansatz, der Mobilität und Nachhaltigkeit verbindet, ohne aufgesetzt zu wirken.
Stille Seitentäler, kaum begangene Almpfade und ein dichtes Netz an Schutzhütten sorgen dafür, dass sich das Montafon selbst nach dem dritten oder vierten Besuch noch anders anfühlt. Irgendwo gibt es immer eine Abzweigung, an der man bisher vorbeigelaufen ist.